Koffein

Koffein ist ein Wachmacher. Man findet es beispielsweise in Kaffee, Tee (als Teein) und in vielen „Energy Drinks“. Es ist der Grund, weswegen so vielen Menschen morgens Kaffee überhaupt trinken – sie fühlen sich müde und wollen wach werden, um in den Tag zu starten.
Ich bin normalerweise kein große Kaffee-trinkerin und trotzdem ist es irgendwie passend, dass der erste offiziellen Molekül-Auftrag Koffein ist..
..denn ich trinke nur dann Kaffee, wenn ich ganz besonders aufmerksam sein will. Ich denke, so eine Projekt verdient meine Aufmerksamkeit :).

Wie kamst du dazu Moleküle zu bauen?

Gute Frage!

Seit 2009 arbeite ich an Universitäten und baue Geräte für Chemiker (und ab und zu Biologen, Physiker oder Pharmazeutiker).

Als ich an der Uni kam, war es schwer für mich, vorzustellen was die Chemiker überhaupt machten und wozu sie die Geräte benutzten. Es ist schwer etwas sinnvolles für Jemanden zu bauen, wenn man nichts vom Endzweck weiß. In der Ausbildung hatten wir zwar ein wenig Apparatekunde, aber ich bin Glasapparatebauerin, nicht Chemikerin. Hinzu kommt, dass ich mich das letzte Mal ‚richtig‘ mit Chemie befasst hatte in der 11. Klasse (und ich verstand auch damals nicht besonders viel davon).

Mit der Zeit und fast wie durch Osmose habe ich mir mehr Chemie-Kenntnisse angeeignet, als ich für möglich hielte. Ich weiß inzwischen auch vieles über das Leben an der Uni, über Forschung und Papers schreiben müssen, über feiern und promovieren. Ich weiß wie schön es ist, Leute durch’s Studium zu begleiten und sich mit ihnen zu jubeln, wenn es [endlich] vorbei ist. Ich kriege es mit, wie tief jeder in seinem Gebiet eindringt, wie wichtig die kleinste Details sind. Ein Atom hier, ein andere Winkel da, und plötzlich ist nichts mehr wie vorher.

Am Ende des Studiums müssen die Doktoranden jeweils einen Vortrag halten, und ihren Ergebnisse präsentieren. Ich war oft eingeladen und saß als Zuhörerin dabei.

Auch wenn ich beeindruckt war (und noch bin), von dem Wissen, dass sie offensichtlich haben, fand ich es aüßerst schwerig, mir etwas darunter vorzustellen, wenn sie von irgendwelchen Reaktionen oder Messungen sprachen.

Wenn ich nichts verstand, habe ich das getan, was man auch in Bücher macht, die man nicht versteht – ich habe die Bilder angeschaut.

Ich fand sie spannend. Unverständlich, aber absolut faszinierend.

Ich habe mich mit den Molekülen Darstellungen auf den Veröffentlichungs-Posters und in den Vorträge gefasst. Ich habe näher zugehört und verstärkt aufgepasst wenn sie darüber sprachen. Die Stoffe scheinen sich zu ändern, wenn auch nur ein Winkel oder ein Abstand zwischen den Atome sich ändert. Das ist doch völlig verrückt.

Wenn ich die Chance bekam, habe ich die Chemiker viele Fragen dazu gestellt.

Im Frühjahr 2012 habilitierte ein Freund von mir. Er bekam den Ruf, an einer andere Uni zu arbeiten, dort Professor zu werden.  Zum Abschied wollte ich ihm etwas schenken, was ihm an der Zeit erinnert. Nach einige verworfene Ideen habe ich beschlossen sein Lieblings-Molekül in Glas nachbauen. Das woran er einige Zeit gearbeitet hat. Ich habe mit der Darstellung, die er mir schickte, nicht viel anfangen können, also habe ich mit einer Freundin (Doktorandin) das Modell erst mit einem Molekül-Satz nachgebaut. Sie hat mir vieles dazu erzählt und erklärt und gezeigt, und ich habe leider das allermeiste sofort wieder vergessen. Das Bild haben wir zusammen beschriftet und ich habe dieses Molekül gebaut.

Das war das erste. Es steht noch in seinem Büro. Später promovierten andere Freunde und es folgten noch einige Moleküle. Einige sind in der Galerie zu sehen. Eine Freundin wollte ein Satz Miniaturen für den Weihnachtsbaum haben. Meine Großeltern haben „ein Glas Gin&Tonic“ zu Weihnachten bekommen, komplett mit Aspirin für hinterher. Auch viele kleinere Moleküle für ein Kinder-Rate-Spiel am Tag der Chemie habe ich gebaut.

Als ich anfing, Anfragen zu bekommen von Menschen die ich nicht persönlich kannte, habe ich eine Nebengewerbe angemeldet – man kann eben nicht jedem seine Zeit schenken.

***

Ich nehme jetzt Aufträge an :).

Über mich

Im Herbst 2005 (nach dem Abi ) bin ich als AuPair für 6 Wochen nach Deutschland gekommen. Inzwischen ist es erstaunlicherweise 2018 und ich bin noch hier.

Über Umwegen bin in einer Ausbildung gelandet und jetzt bin ich gelernte Glasapparatebauermeisterin und Betriebswirtin der HandwerksOrdnung.

Ich habe Spaß daran, mit Glas zu arbeiten und mit Menschen darüber zu reden. Ich mag Farben und Formen und Herausforderungen. Und Schokolade.

Tagsüber arbeite in an einer Universität. Für die Chemie. Manchmal auch für die Biologie oder Pharmazie. Ich baue die Apparate die Wissenschaftler gebrauchen und leider oft missbrauchen. Es gibt jedenfalls immer viele Reparatur-arbeiten ;).

Abends und an Wochenenden und an meinen freien Tagen baue ich Moleküle. Oder schaue meine Fische beim schwimmen zu. Oder mache was anderes.

Ich finde es äußerst schade, dass der Tag nur 24 Stunden hat.